Berufung Galopprennsport – Eine internationale Reise als Reiter und Trainer

Der Galopprennsport war von Anfang an Teil meines Lebens – durch meinen Vater Wolfgang Figge, der selbst Jockey und später erfolgreicher Trainer war. Als Amateurrennreiter habe ich Rennen in aller Welt bestritten und dabei nicht nur sportlich, sondern auch kulturell viele Eindrücke gesammelt. Schließlich habe ich meine berufliche Laufbahn in der Mode- und Textilbranche aufgegeben und bin ganz in den Rennsport eingestiegen – heute als international tätiger Trainer. In diesem Text erzähle ich von prägenden Erfahrungen, Rennen auf drei Kontinenten und dem, was der internationale Rennsport für Reiter, Trainer und Besitzer bedeutet.

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Wie alles begann: Kindheit auf der Rennbahn

Ich bin im Rennsport groß geworden. Mein Vater Wolfgang Figge war zunächst erfolgreicher Jockey, bis ihn ein schwerer Unfall – ein offener Beinbruch nach einem Tritt eines Pferdes an einem Freitag, dem 13. – zum Karriereende zwang. Danach wurde er über Jahrzehnte hinweg einer der führenden Trainer in München. Diese Nähe zum Rennsport prägte mich früh. Schon als Kind war ich mit im Stall, und ab meinem 10. Lebensjahr habe ich angefangen, regelmäßig Vollblüter im Rennstall zu reiten.

Im Führring mit meinem Vater Wolfgang – er war vor seiner Zeit als Trainer auch als Profi-Jockey aktiv

Ich erinnere mich noch gut an einen besonderen Moment:

„So, jetzt galoppierst du.“

Ich war völlig überrascht und fragte: „Auf dem Pferd ‘Tagesgruß’? Der zieht doch so stark!“ – Er war als „Puller“ bekannt. Ich hab mich mit vollem Körpereinsatz reingehängt. Danach war ich fix und fertig.

 

Ein Foto aus jüngeren Jahren, wo ich noch als Amateurrennreiter (Jockeys die an Pferderennen teilnehmen, ohne dies beruflich auszuüben – sie reiten aus Leidenschaft und in der Freizeit, meist neben einem anderen Hauptberuf oder während des Studiums)

Die Amateurreiter-Prüfung und erste Rennen

Mit 16 begann ich offiziell meine Laufbahn als Amateurrennreiter. Die Amateurprüfung legte ich in Köln ab – dort müssen die Prüflinge in der Morgenarbeit bei Kölner Trainern unter den Augen der Offiziellen mitreiten. Ich hatte das Glück, bei Heinz Jentzsch, dem erfolgreichsten Trainer in der Geschichte des deutschen Galopprennsports, mitreiten zu dürfen.

Bereits am ersten Tag sagte er zu mir: „Mach dir keine Sorgen – du bestehst die Prüfung ohne Probleme.“

Diese Worte haben mich natürlich tief beindruckt und motiviert.

 

Ein anderer Weg: Mode- und Textilbranche

Trotz meiner Leidenschaft für den Rennsport schlug ich zunächst einen anderen beruflichen Weg ein. Ich arbeitete als Modekaufmann und war unter anderem für eine französische Stofffirma tätig. Es war eine spannende Zeit in einer kreativen Branche. Doch der Rennsport blieb immer präsent. An freien Tagen und Wochenenden zog es mich zu den Pferden, auf die Rennbahn.

 

Internationale Rennen als Amateurreiter – Deutscher Meister & Vizeweltmeister

Zwischen 1989 und 2006 war ich aktiv als Amateurrennreiter. In dieser Zeit konnte ich Rennen in 18 verschiedenen Ländern bestreiten, oft im Rahmen von Einladungsrennen oder der internationalen FEGENTRI-Serie.

2004 wurde ich Deutscher Meister der Amateurrennreiter. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der entscheidende letzte Ritt des Jahres im Preis des Champions der Besitzer auf dem Pferd Asko: Ich verlor im Rennen einen Steigbügel als Asko in ein Loch galoppiert ist und aus dem Tritt kam. Im vollen Galopp konnte ich nach unten greifen und den Steigbügel wieder aufnehmen – ein Kraftakt, der mir aber den Titel sicherte. Hier sind einige Fotos von diesem “Last Minute Sieg”:

2005 wurde ich Vizeweltmeister in der FEGENTRI-Wertung. Ich war viel unterwegs, von Kanada über Malaysia bis in die USA, und habe dabei nicht nur sportlich viel gelernt, sondern auch kulturell. Der Galopprennsport hat mir so viele verschiedene Länder, Menschen und Perspektiven eröffnet.

Ich erinnere mich zum Beispiel an ein Nachtrennen in Madrid: „Ich war erkältet, es war heiß, und ich hab mir eine Riesen-Jumbo-Packung Tempos gekauft. Die Rennen waren nachts. Das erste Rennen startete um Mitternacht.“

Oder an ein besonders unruhiges Pferd in der Slowakei: „Der hieß Monstre – und das war auch wirklich eins! Ein kleiner frecher Hengst, der sich blitzschnell gedreht hat. Ich war fast runtergeflogen, wie beim Bullriding.“

In Tschechien gab es eine Überraschung: „Der Trainer hat gesagt: 'Du musst großen Zauber machen wenn du mit meinem Pferd gewinnen willst.' Und dann hab ich ganz locker gewonnen. Er baff.“

Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen gab's auch mal seltsame Blicke: „Den Sattel fanden sie okay, aber bei der Peitsche wollten sie ganz genau wissen, was das ist. Die war denen suspekt.“

 

Neue Rolle: Vom Reiter zum Trainer

2006 habe ich meine Karriere als Reiter beendet und die Trainerlizenz beantragt. Mein erstes eigenes Lot waren zwei Pferde. Seitdem hat sich vieles weiterentwickelt, aber der internationale Blick ist geblieben.

Ich konnte Starter auf Rennbahnen in Frankreich, Italien, Hongkong, Dubai, den USA, Schweden, der Schweiz, der Türkei und vielen weiteren Ländern betreuen. Zu den Highlights zählen zwei Gruppesiege in Frankreich, der Derby-Sieg mit Feuerblitz in Italien mit dem Gruppe 1-Sieg im Premio Roma im Folgejahr, ein dritter Platz im Katar-Derby mit Shutterbug und ein Start mit Olorda in den Belmont Oaks in den USA.

Meine Rennsport-Einsätze auf drei Kontinenten:

1. Europa
🇩🇪 Deutschland, 🇫🇷 Frankreich, 🇮🇹 Italien, 🇬🇧 England, 🇮🇪 Irland, 🇪🇸 Spanien, 🇦🇹 Österreich, 🇨🇭 Schweiz, 🇸🇪 Schweden, 🇳🇴 Norwegen, 🇧🇪 Belgien, 🇳🇱 Niederlande, 🇨🇿 Tschechien, 🇸🇰 Slowakei

2. Asien
🇲🇾 Malaysia, 🇹🇷 Türkei, 🇭🇰 Hongkong, 🇦🇪 Vereinigte Arabische Emirate (Dubai), 🇶🇦 Katar

Nordamerika
🇨🇦 Kanada, 🇺🇸 USA

 

Der internationale Galopprennsport als Prägung

Rennsport kennt keine Landesgrenzen. Für Reiter, Trainer und Besitzer bietet er die Möglichkeit, neue Kulturen kennenzulernen, sportliche Herausforderungen anzunehmen und unvergessliche Erlebnisse zu sammeln. Ob im Schnee von St. Moritz oder unter der Sonne Dubais – jede Reise hat mich geprägt.

Für mich ist klar: Der Galopprennsport ist weit mehr als nur ein Beruf. Er ist eine Berufung.

 
 
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